Bin ich abhängig von Schlaftabletten?

Eine Sucht nach Schlaftabletten oder anderen Schlaffördernden Medikamenten beginnt oft relativ harmlos. Aus einer Ausnahme wird schnell eine Regelmäßigkeit und schließlich eine Abhängigkeit. Wie Menschen süchtig nach Schlaftabletten werden, welche Konsequenzen dies haben kann und alles weitere zum Thema verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Mögliche Ursachen für eine Sucht nach Schlaftabletten

Zu einer Sucht nach Schlaftabletten kommt es nicht von heute auf morgen. Häufig beginnt es damit, dass die Patienten ein Rezept vom Arzt bekommen, um beispielsweise nach einem Trauerfall oder bei extremem Stress besser schlafen zu können.

So entsteht in einigen Fällen schleichend eine Abhängigkeit nach Schlafmitteln, über die sich die Betroffenen gar nicht wirklich bewusst sind.

Die Sucht nach Tabletten hat zur Folge, dass ein Einschlafen ohne Medikamente schwer bis unmöglich wird. Um von den Tabletten loszukommen benötigen viele Abhängige professionelle Hilfe.

Mögliche Folgen von Schlaftabletten-Missbrauch

Der Missbrauch von Schlaftabletten ist mit unterschiedlichen Konsequenzen verbunden.

Abhängigkeit

Wie bei jedem anderen Medikament kommt es auch bei der regelmäßigen Einnahme von Schlaftabletten zu einer erhöhten Toleranz des Körpers.

Ähnliches lässt sich beispielsweise beim Konsum von Alkohol feststellen. Wer regelmäßig Bier trinkt, um sich zu berauschen, wird mit der Zeit immer mehr Bier zu sich nehmen müssen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

In etwa das gleiche passiert auch mit Menschen, die häufig Schlaftabletten nehmen. Schlimmstenfalls kann dieses Verhalten zu einer starken Sucht nach Schlaftabletten führen.

Parasomnie

Bei einer Parasomnie handelt es sich um eine Schlafstörung bei der es während des Schlafs zu ungewöhnlichen und/oder abnormalen Verhaltensweisen kommt.

Warum es durch den Missbrauch von Schlaftabletten zu Parasomnie kommt ist nicht ganz klar.

Man geht jedoch davon aus, dass es zu einer Parasomnie kommt, weil der REM-Schlaf durch die Medikation unterdrückt wird. Eine Parasomnie wirkt sich nicht nur negativ auf die Schlafqualität aus, sondern stellt auch eine Gefahr für das eigene Wohl und das Wohl anderer dar.

Fahruntüchtigkeit

Je nach individueller Verfassung werden die Wirkstoffe von Schlaftabletten bei einigen Menschen langsamer abgebaut als bei anderen. Insbesondere bei Frauen dauert der Abbauprozess in der Regel etwas länger.

Es kann also durchaus passieren, dass die Reaktionszeit und die Auffassungsgabe noch stark beeinträchtigt ist, wenn sich Betroffenen am Tag nach der Einnahme am Straßenverkehr teilnehmen.

Erhöhte Verletzungsgefahr

Rezeptpflichtige Schlaftabletten haben eine enorme Auswirkung auf die Funktion des Zentralen Nervensystems und die Motorik. Nach der Einnahme entsprechender Medikamente erhöht sich die Wahrscheinlichkeit zu stürzen und sich dabei zu verletzen um ein Vielfaches.

Schlaftablettenentzug

Wie bei jedem anderen Medikament oder potenziell suchterzeugendem Mittel findet nach Beendigung der Einnahme ein Entgiftungsprozess statt. Auch wenn sich der Entzug von Schlaftabletten nicht mit dem von schweren Drogen wie beispielsweise Heroin vergleichen lässt, sollte man die Entgiftung nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Je nach Grad der Abhängigkeit kann der Schlaftablettenentzug mit psychologischen Problemen und Schmerzen einhergehen. Zu den gängigen Begleiterscheinungen eines Entzugs gehören unter anderem Erbrechen und Durchfall. Zudem haben die Betroffenen massive Schwierigkeiten damit, ohne Schlaftabletten schlafen zu gehen.

Schlafen ohne Schlaftabletten – so geht’s

Folgende Tipps können Ihnen helfen, wenn Sie endlich ohne Schlaftabletten auskommen wollen.

Gehen Sie später ins Bett

Notieren Sie sich eine Woche lang, zu welcher Zeit Sie ins Bett gehen und wie lange es ungefähr dauert, bis Sie einschlafen – hierzu empfiehlt sich die Verwendung einer entsprechenden App -. Nach Ablauf der Woche haben Sie einen guten Überblick über Ihr Schlafverhalten und können Abschätzen wie viel Zeit zwischen dem Zubettgehen und dem Einschlafen vergeht. Um auch ohne Schlaftabletten besser einschlafen zu können müssen Sie nun zu der Zeit, zu der Sie normalerweise einschlafen eine halbe Stunde hinzurechnen. Wenn Sie in der Regel um 10 Uhr einschlafen gehen Sie von nun an erst um 10 Uhr 30 ins Bett. So zwingen Sie Ihren Körper, in einen Zustand der Erschöpfung zu verfallen und sehnen sich förmlich nach Schlaf. Diese Methode ist gut geeignet, um einen gesunden Schlafrhythmus zu entwickeln.

Bereiten Sie sich abends auf den nächsten Morgen vor

Viele Menschen denken abends im Bett bereits an den nächsten Morgen und gehen gedanklich ihre To-do-Liste durch. Damit Sie abschalten können empfehlen wir Ihnen, die letzte Stunde des Tages zu nutzen, um alle Vorbereitungen für den nächsten Tag zu treffen. Bereiten Sie Ihr Lunch vor, packen Sie Ihre Aktentasche oder legen Sie Ihr Outfit zurecht.

Bringen Sie Ihre Aufgaben zu Ende

Wenn Sie mit Ihren Aufgaben nicht fertig werden kann dies das Einschlafen erschweren. Um mit dem Gefühl „etwas geschafft zu haben“ ins Bett gehen zu können, empfehlen wir Ihnen alles was Sie sich für den Tag vorgenommen haben auch zu Ende zu bringen. Sie sollten jedoch darauf achten, dass Sie sich nicht zu viele Aufgaben aufhalsen.

Entwickeln Sie eine Abendroutine

Damit Sie abends schneller einschlafen sollten Sie unbedingt eine feste Abendroutine für sich entwickeln. Dabei kann es sich um eine Reihe simpler Tätigkeiten wie Zähneputzen, Teetrinken und Lesen handeln. Wichtig ist nur, dass Sie die Reihenfolge einhalten und nichts tun, was Sie aufregen könnte. Eine Abendroutine gibt Ihnen die Möglichkeit, sich nach einem stressigen Arbeitstag langsam zu entspannen. Mit der Zeit werden Sie sich an diese Routine gewöhnen und Ihr Körper weiß intuitiv, dass es an der Zeit ist zu schlafen.

Entspannen Sie sich

Die Mehrheit aller Menschen gehen ins Bett, wenn die Uhr sagt, dass es Zeit ist schlafen zu gehen. Schlaffördernder wäre es jedoch, sich davor ein wenig zu entspannen und den Körper langsam in einen Ruhemodus zu bringen. So assoziieren Sie das Bett nur mit Schlafen – und einer anderen Tätigkeit -. Um herunterzufahren können Sie beispielsweise ein Buch lesen oder Yogaübungen durchführen.

Verzichten Sie nach und nach auf Ihre Schlaftabletten

Statt Ihre Schlaftabletten alle auf einmal zu entsorgen sollten Sie die Dosis langsam reduzieren. So kann Ihr Körper sich nach und nach an die fehlende Einschlafhilfe gewöhnen und Sie haben es leichter von den Tabletten loszukommen.

Schlaftabletten absetzen

Während der ersten 14 Tage sollten Sie nur die Hälfte der üblichen Menge einnehmen. Ab der dritten Woche ist es an der Zeit die Dosis erneut zu halbieren.

Jetzt sind Sie bei einem viertel Ihrer Ursprünglichen Dosierung angelangt.

Wenn Sie es bis Woche vier geschafft haben ist es an der Zeit, die Tabletten nicht mehr jeden Abend, sondern nur noch alle drei Tage zu nehmen.

Mit dem Ende der fünften Woche können Sie die Tabletten schließlich komplett weglassen.

Mögliche Symptome bei einem Schlaftabletten Entzug

Die Symptome eines Schlaftabletten-Entzugs sind individuell verschieden. Welche Symptome auftreten und wie stark diese ausfallen hängt unter anderem von der Einnahmedauer, der psychischen- und physischen Verfassung sowie dem Geschlecht ab.

Folgende Symptome können bei einem Schlaftabletten-Entzug auftreten

  • Innerhalb der ersten 72 Stunden nach der letzten Einnahme kann es zu Verwirrtheit, Angstzuständen und Stimmungsschwankungen kommen. Bei besonders starkem Konsum sind auch Halluzinationen oder Erbrechen möglich.
  • Je mehr Zeit vergeht, desto heftiger fallen die körperlichen Symptome aus. Schwitzen, ein erhöhter Herzschlag sowie massive Unruhezustände treten meist innerhalb der ersten Woche auf und können bis zu 10 Tage anhalten.
  • Ab der zweiten Woche ohne Schlaftabletten lassen die Entzugserscheinungen allmählich nach. Viele werden allerdings von einer depressiven Verstimmung eingeholt.
  • Ab der dritten Woche ist das schlimmste überstanden. Die meisten Patienten fühlen sich ab diesem Zeitpunkt deutlich besser und zeigen nur noch schwache Entzugssymptome.
  • Im Falle einer besonders starken Abhängigkeit kann es sein, dass es einige Monate dauert, bis sich der Körper vollständig daran gewöhnt hat ohne Schlaftabletten auszukommen.

Reboundinsomnie – Was ist das?

Zu einer Reboundinsomnie kann es kommen, wenn Schlaftabletten nach einer längeren Einnahme plötzlich abgesetzt werden. Das tückische an einer Reboundinsomnie ist, dass die Schlafqualität in der ersten Phase nach dem Weglassen der Tabletten noch schlechter ist als es mit der Schlafstörung allein der Fall war.

Zu den Symptomen einer Reboundinsomnie gehören Schwitzen, Nervosität und Herzklopfen. Erfahrungsgemäß hält dieser Zustand jedoch nur wenige Tage an, bevor Besserung eintritt.

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